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Ulrich Grasnick. Sein Schaffen trägt dazu bei, Graal-Müritz auch heute zu einem Ort der Literatur zu machen.

Ostseeheilbad Graal-Müritz

Ulrich Grasnick - Chagall und kein Ende

Von der Begegnung mit Ulrich Grasnick, dem Meister gekonnter Knappheit, der wenigen und passenden Worte. Ganz im Gegensatz zu dem, was er über sein Leben, seine Charlotte und den vielen Begegnungen zu erzählen weiß. Das kann er auch. Wenn nicht unangemessen, doch sicher viel zu kurz der Platz einer Seite. In jedem Fall Wert der Versuch, dem Autor von „Fels ohne Eile” oder „Hungrig von Träumen” gedanklich zu folgen. Für Inspiration, dem Saft eigener Erkenntnis.

Das Ostseebad Graal-Müritz besinnt sich vermehrt seiner literarischen Wurzeln. Ulrich Grasnick gehört zu einer Reihe heute aktiver Literaten des Ortes.
Grasnick bin ich ein, zwei Mal begegnet. Bei unserem letzten zufälligen Zusammentreffen im Juni 2013, übergab Grasnick mir einige seiner Bücher. Auch eines seiner bereits verstorbenen Frau Charlotte war dabei. „Zur Ansicht mit Widmung” wie er schmunzelnd sagte.

Jetzt, nach ein paar Monaten, sind wir erneut verabredet. Ich besuche ihn in seinem Atelier in Graal-Müritz. Nicht leicht zu finden.  Ein Erbstück seines  Schwiegervaters, Prof. Fritz Müller, der den Lehrstuhl für Geschichte der Pädagogik hatte und Dekan der Rostocker Universität in den 60er Jahren war. In den Sommermonaten lebt und arbeitet Grasnick hier sehr zurückgezogen. Es ist eher eine kleine Hütte, die nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist. „Zum Schreiben brauche ich Abstand, Ruhe und kein Handy” erklärt er, als sich unsere Blicke treffen.

Ein Portrait soll es werden. Wer ist Grasnick? Zur Vorbereitung, begann ich in seinen Büchern zu lesen. Zunächst die Verse aus „Blutkreizer”, dem 1989 erschienenen Buch Charlottes:

Seite 9 (Auszug)
Gedanken beim Betrachten eines Fotos
Ausgekramte Augenblicke -
Sommer und Winter -
Jahre übereinandergeschichtet.
So finde ich die Gesichter
wie im Holz
harte und weiche Jahre.
...

 

Stark, gefühlvoll und feinsinnig wie sie schreibt. Dass ich den Zugang zu Grasnick über Charlottes Verse gefunden habe, freut ihn sichtlich. So wie es mich überrascht hat. Sein Ausdruck ist rationaler, jedoch nicht weniger stark. Einige seiner Bücher verraten dies bereits mit ihrem Titel: „Fels ohne Eile”, einem 2003 veröffentlchten und mit Werken seines Sohnes Stefan Friedemann illustrierten Gedichtbandes seiner Heimat, der sächsischen Schweiz. (Stefan hat sich einen Künstlernamen gegeben, um sich von seinem Bruder, Thomas, und dem Vater namentlich abzugrenzen) Oder: „Liebespaar über der Stadt”, als 1979er DDR-Erstauflage des Bandes mit Grasnicks Gedichten zu Farbreproduktionen Marc Chagalls - dem Beleg einer weitreichenden Begegnung mit dem französischen Maler in Paris. Für ihn bis heute bedeutsam.
 
Seite 8 (Auszug)
Der Geiger
... Geige, gleich dem Nest,
das sich
im Frühling füllt
mit Vogelrufen.
...

 

In Pirna 1938 geboren, verbrachte Grasnick einen Teil seiner Jugend im Hause seines Onkels in Warnemünde. Die elterliche Bekanntschaft mit dem Hause Edvard Munchs und Liselotte Zanders, brachte ihn der Kunst ein Stück näher. Zunächst studierte er Gesang an der Hochschule in Dresden und arbeitete später an der Komischen Oper Berlin. „Das habe ich nur gemacht, um eine Lebensgrundlage zu haben. Denn eigentlich wollte ich ja schreiben.” betont Grasnick. Ab 1968 folgten bereits erste Veröffentlichungen und seit 1974 arbeitet er freischaffend. Dass ihm seine Gesangsausbildung beim Chagall-Besuch 1977 in Paris helfen würde, konnte er damals nicht ahnen.

Alles begann mit einem „Westpaket”. Zur Verstärkung des Bodens lag ein Kalender Chagalls darin. Die Bilder wirkten unheimlich intensiv - besonders das vom Geiger. Sie waren für ihn so inspirie-rend, ganz anders als jene des sozialistischen Realismuses. Er begann passende Gedichte zu verfassen. Hätte er damals gewusst wer Chagall ist, hätte er sich das nie getraut. Letztendlich sind daraus zwei illustrierte und von Chagall signierte Bücher entstanden: „Liebespaar über der Stadt” und „Hungrig von Träumen”. Zuvor wurde Grasnick von dem berühmten Maler nach Paris eingeladen, der den fremden „Ostmann” unbedingt kennenlernen wollte. Die Reise dorthin wurde durch die DDR kaum unterstützt. So finanzierte er sich durch Gesang in den Pariser Hinterhöfen seinen Aufenthalt eben selbst. (Stoff einer Fortsetzung des Portraits)
Chagall ist für Grasnick ein Symbol ständiger Erneuerung und Inspiration. Und somit kein Ende.

Aktuell arbeitet Grasnick am „Bernsteinzyklus”. Auszüge davon trägt er gern unter der „Lyrik-Buche” in Graal-Müritz vor. Das ist ein Ort unter freiem Himmel im Rhododendronpark, wo sich regelmäßig Literaturinteressierte treffen. Die Gemeinde möchte damit den literarischen Austausch fördern, so Frau Rosengarten von der Tourismus- und Kur GmbH.

Sten Britt