Küstenjournal: Urlaubermagazin - Region Fischland-Darß-Zingst
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Ruth Klatte - Vor dem Fenster im Atelier.

Wieck a. Darß

Ruth Klatte - Gottvertrauen und gemalte Träume.

Über eine ungewöhnliche Begegnung mit einer
bemerkenswerten Frau und Künstlerin - Ruth Klatte,
die zeigt, wie ihre Bilder entstehen.

Verabredet bin ich mit Ruth Klatte, einer 85-jährigen Malerin in Wieck. Ich möchte mit ihr über ihre Arbeit und ihre Bilder sprechen, doch sie wird mich überraschen.

„Ich habe heute wenig Zeit.” beginnt sie und sagt weiter: „Deshalb habe ich mir überlegt, was Sie mich fragen könnten und meine Gedanken dazu bereits aufgeschrieben. Herausgekommen ist ein Glaubensbekenntnis!” Ich bin sehr überrascht. Wollte ich mich doch mich mit ihr über ihre Bilder unterhalten. Diese weichen Landschaftsmotive, meist Aquarelle mit lasierenden Farbübergängen, die ich sehr mag und so passend für diese Gegend halte. Während Ruth Klatte beginnt mir das Aufgeschriebene vorzulesen...

Im Folgenden einige unkommentierte Zitate
aus dem Brief an mich:

„Mein lieber, noch unbekannter Freund...” beginnt sie und etwas später: „Ich kann nichts anfangen mit all den Fakten, es ist unmöglich, was da alles gewesen ist u. bestanden sein sollte. Kommt es nicht auch auf das Ende an, dass alles wieder gut geworden ist?” „Was ist richtig gut geworden? könnten Sie fragen. Nach vielen Ausstellungen, d.h. vom Zeitpunkt als ich zum Darß hierher gezogen bin an, stellte ich immer mal aus, mit anderen u. auch allein immer häufiger, von Zeit zu Zeit. Im nächsten Jahr sind es 50 Jahre. Doch Krönung war im vorigen Jahr eine Ausstellung in Eisenach, die lang ging, über ein viertel Jahr u. so groß war, wie ich vorher noch keine hatte. Sie gab Überblick über mein gesamtes Schaffen.”... „Und, da ich von der Elbe her komme, in Dresden geboren bin, bekommt das Pirnaer Museum, was dort hingehört.”... „Auf den Weg gebracht - nannte ich die Ausstellung in Eisenach. Nach einem kleinen Ölbild, 1962 gemalt, nachdem ich hier meine Zelte aufgeschlagen hatte.”...

„Ich habe mir den 300 Jahre alten Katen ersessen lt. Gesetz, denn er hatte keinen Eigentümer mehr.” Sie macht eine kurze Pause und schaut mich dann an: „Mir war klar, dass ich das Haus behalten werde. Ich habe nicht einen Moment daran gezweifelt, denn Gott ist auf meiner Seite. Können Sie sich das vorstellen?”

Wir philosophieren ein wenig über Gott, universale Zusammenhänge. Sie fährt fort: „Denke ich zurück an meine frühe Kindheit; es war für mich alles auf einmal nebeneinander. Mein Glück war es, viel an Liebe erfahren zu haben, zu allererst von meiner Mutter - und sie vermittelte mir das Allerwichtigste. Es ist mir geblieben: Gottvertrauen.”... „Es waren ja die so genannten zwanziger Jahre. Gingen wir zu Volksfesten saßen erst einmal eingangs verkrüppelte Menschen, die bettelten zu beiden Seiten, denen Beine oder Arme fehlten.” ... „Welche Kontraste nahm ich wahr; wo es um die Machtübernahme Hitlers ging. Ich selbst war behütet, was ich mitbekam, war ein Alptraum.”... „Ich betete u. vertraute mich Gott an. Träume, die starke Bilder waren, die ich nie vergessen konnte, stellten sich ein. Jahrzehnte später, als ich längst erwachsen war, malte ich sie dann.” Der Beginn ihrer malerischen Laufbahn in den siebziger Jahren. Am Ende schaut sie auf und sagt: „Wir denken, wir lebten das Leben. Doch das Leben lebt ja uns!”

Eine Einsicht, die ich mit ihr teilen kann und der Wunsch, dass diesem noch weitere Gespräche folgen. Ich freue mich darauf.

Autor: Sten Britt
Quelle: Auszug Küstenjournal Ausg. 3-2010